Weisheiten

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„Der Anfang eines schönen Lebens und höchster Reichtum ist die Weisheit. Daher ist Weisheit die wertvollste Frucht aller Philosophie.“

(Epikur von Samos)

 

 

 

„Ein Mamorblock, obgleich er leblos ist und bleibt, kann darum nichtsdestoweniger lebende Gestalt durch den Architekt und Bildhauer werden; ein Mensch, wie wohl er lebt und Gestalt hat, ist darum noch lange keine lebende Gestalt. Dazu gehört, dass seine Gestalt Leben und sein Leben Gestalt sei. Solange wir über seine Gestalt bloß denken, ist sie leblos, bloße Abstraktion; solange wir sein Leben bloß fühlen, ist es gestaltlos, bloße Impression. Nur indem seine Form in unserer Empfindung lebt und sein Leben in unserem Verstande sich formt, ist er lebende Gestalt, und dies wird überall der Fall sein, wo wir ihn als schön beurteilen.“

Friedrich Schiller (1759 – 1805)

Über die ästhetische Erziehung des Menschen (1795)

„Das wahrhafte Wesen der Liebe besteht darin, das Bewusstsein seiner selbst aufzugeben, sich in einem anderen Selbst zu vergessen, doch in diesem Vergehen und Vergessen sich erst selbst zu haben und zu besitzen.

Der Geliebte ist uns nicht entgegengesetzt, er ist eins mit unserem Wesen; wir sehen nur uns in ihm und dann ist er doch wieder nicht wir – ein Wunder, das wir nicht zu fassen vermögen.“

Georg Wilhelm Friedrich Hegel (1770 – 1831) über die Dialektik der Liebe

 

„Ob etwas Wahrheit für den Menschen werden kann, hängt davon ab, ob er es mit voller Leidenschaft als seine persönliche Wahrheit ergreifen kann. Eine Wahrheit zu erwerben hat keinen Sinn, wenn sie die Existenz nicht berührt. DIE SUBJEKTIVITÄT IST DIE WAHRHEIT.

Es gilt, eine Wahrheit zu finden, die Wahrheit für mich sein kann, die Idee zu finden, für die ich lebend sterben will. Es kommt für den Menschen darauf an, nicht Teil eines anonymen Ganzen, sondern für sich selber er selbst zu sein. DIE MENGE IST DIE UNWAHRHEIT.“

Søren Kierkegaards (1813 – 1855)

Wegbereiter der Existenzphilosophie

„Seitdem ist mir das Meer wie der selbstverständliche Hintergrund des Lebens überhaupt. Das Meer ist die anschauliche Gegenwart des Unendlichen. Unendlich die Wellen. Immer ist alles in Bewegung, nirgends das Feste und das Ganze in der fühlbaren unendlichen Ordnung. Das Meer zu sehen, wurde für mich das Herrlichste, das es in der Natur gibt.

Das Wohnen, das Geborgensein ist uns unentbehrlich und wohltuend. Aber es genügt uns nicht. Dass es auch „dieses Andere“ gebe, die Unendlichkeit des Meeres, das sei etwas Befreiendes. Es befreie im „Hinausgehen über die Geborgenheit““.

Kindheitserinnerungen von Karl Jaspers (1883 – 1969)

„Die Aspekte unserer  Existenz, die uns beschränken, sind dieselben, die uns an die Welt binden und uns den Spielraum des Handelns und der Wahrnehmung geben. Sie machen uns zu dem, was wir sind.“

Maurice Merleau-Ponty (1908 – 1961)

„Das eine Mal haben wir sozusagen die Welt reicher zu machen durch unser Tun, das andere Mal uns selbst reicher zu machen durch unser Erleben. Einmal mag die Forderung der Stunde an uns durch eine Tat erfüllbar sein, ein andermal durch unsere Hingabe an eine Erlebnismöglichkeit. Auch zur Freude kann der Mensch sonach „verpflichtet“ sein. In diesem Sinne wäre einer, der da in der Straßenbahn sitzt und Zeuge eines prächtigen Sonnenuntergangs wird oder den Duft eben in Blüte stehender Akazien wahrnimmt und sich diesem möglichen Naturerleben nicht hingibt, sondern in seiner Zeitung weiterliest – er wäre in einem solchen Augenblick irgendwie „pflichtvergessen“ zu nennen.“

Viktor Frankl (1905 – 1997)

„.. wie wahre Liebe und die Luft, die wir atmen, ist sie eine Gabe, nicht eine Leistung. Sie hängt von Zufällen ab wie die Zuneigung der Eltern, einer gewissen Stabilität und Freundschaft und einem daraus folgenden verletzlichen Gleichgewicht zwischen Selbstsicherheit und der Sorge für andere.

Wir können Bedingungen schaffen, die das Gleichgewicht begünstigen, und wir können das Gleichgewicht selbst schaffen. Schuld, Verantwortung, Verpflichtung – diese kalten Ideen werden menschlich und sinnvoll, wenn das Gleichgewicht gegeben ist. Sie sind leere Drohungen, Hindernisse und hohle Schalen, wenn es fehlt.“

Paul Feyerabend (1924 – 1994) in „Zeitverschwendung“ über den moralischen Charakter

„Lebenskunst kann heißen, sich ein schönes Leben machen, im Sinne von: Das Leben bejahenswert zu machen, und hierbei eine Arbeit an sich selbst, am eigenen Leben, am Leben mit Anderen und an den Verhältnissen, die dies Leben bedingen, zu leisten. Die „Selbstmächtigkeit“, die kunstvolle Gestaltung der Existenz, der Akt der Wahl, die Sensibilität und Urteilskraft, die Realisierung von Schönheit – all diese Momente kommen darin überein, zu einem erfüllten Leben beizutragen, das bejahenswert ist.“

Wilhelm Schmid (geb. 1953)